Schilddrüsenhormone und Wiederherstellung gesunder Schilddrüsenhormonwerte

Jede große Reise beginnt mit dem ersten Schritt. (Chinesisches Sprichwort). Die Optimierung der Medikation ist der erste Schritt, dass es dir mit Hashimoto wieder gut geht und du dich wohlfühlen kannst.

Wie kann ich die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion behandeln?

Wurden deine Zellen, die Schilddrüsenhormone produzieren, teilweise oder vollständig durch das Immunsystem zerstört oder operativ entfernt, musst du die fehlenden Schilddrüsenhormone ersetzen. Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Eine hormonelle Therapie mit Schilddrüsenhormonen sollten alle Hashimoto-Patienten mit Symptomen einer Schilddrüsenfehlfunktion oder auffälligen Hormonwerten machen.
Auffällige Hormonwerte bestehen, wenn fT3 und/oder fT4 vermindert sind und der TSH Wert erhöht ist.

Schwerpunkt der hormonellen Therapie ist der Hormonersatz.

Sollten deine Werte zwar im Normbereich sein, aber du trotzdem an Symptomen der Schilddrüsenunterfunktion leider, ist ein Behandlungsversuch mit Schilddrüsenhormonen sinnvoll.
Es gibt allerdings den  Kritikpunkt, dass es keine ganzheitliche Betrachtung ist.
Stell dir einmal ein Weinfass vor, dass ganz viele kleine Löcher enthält. Die Schulmedizin kümmert sich nun nicht, woher das Loch kommt (Autoimmune Zerstörung), sondern füllt einfach das Fass immer mit Wein auf.
So behandelt die Medikation nicht die Ursache des Problems, doch sie ist dennoch ein wichtiger erster Schritt, damit es dir besser geht und die negativen Auswirkungen auf alle Organsysteme des Körpers reduziert werden.

Wie oft muss ich meine Blutwerte kontrollieren lassen?

Eine regelmäßige Kontrolle der Hormonparameter ist immer erforderlich. Unter medikamentöser Therapie sollten die Schilddrüsenwerte zunächst im Abstand von 4-6 Wochen kontrolliert werden. Liegen die Werte dann im Referenzbereich und bestehen keine Symptome mehr können die Kontrollabstände verlängert werden. Bei guter Einstellung kann auch eine halbjährliche Kontrolle der Werte ausreichen sein.
Aufgrund der oft schubweise verlaufenden Erkrankung sind Schwankungen der Hormonwerte möglich. Auch eine spontane Normalisierung der Schilddrüsenfunktion ist im Anfangsstadium der Erkrankung möglich.Trotzdem empfiehlt es sich, regelmäßige Kontrollen durchzuführen, um einen Rückfall rechtzeitig zu erkennen.

Welche Möglichkeiten der Medikation gibt es?

Zum Ausgleich der Schilddrüsenunterfunktion stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Dabei gibt es neben den üblichen L-Thyroxin-Präparaten (T4) auch Medikamente, die Trijodthyronin (T3) einzeln oder in Kombination mit T4 enthalten.

Welche Dosis muss ich einnehmen?

Es ist bekannt, dass Schilddrüsenhormone eine sehr geringe therapeutische Breite haben. d.h. sie müssen genauestens dosiert werden, damit die Wirksamkeit gewährleistet wird.
Die benötigte Hormondosis muss in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vereinbart werden. Es sollte immer in kleinen Mengen eingeschlichen werden, die dann nach Bedarf langsam gesteigert wird.
Bei einer Neueinstellung sollte zuerst mit der Behandlung durch L-Thyroxin begonnen werden. Die Dosis kann im weiteren Verlauf angepasst werden, bis eine optimale Dosierung gefunden ist. Änderungen sollte in kleinen Schritten von 25mcg vorgenommen werden und langsam erfolgen, da dies oft zu einer besseren Verträglichkeit führt.
Das Variationsangebot ist groß. Die richtige Dosierung ist nicht allein von den Schilddrüsenwerten im Blut abhängig, sondern auch vom Befinden des Patienten. Einige Betroffene fühlen sich trotz normaler Schilddrüsenwerte nicht wohl. Ein Versuch die richtige Hormoneinstellung und das richtige Präparat für den Einzelnen zu finden, sollte immer unternommen werden. Bei der manchmal langwierigen Einstellung ist es wichtig, Geduld und Ausdauer zu haben.
Bei der Einstellung auf Schilddrüsenhormone muss vorsichtig dosiert und langsam steigernd fortgefahren werden (z.b. 50, dann 75, dann 100 L-Thyroxin am Tag)
Hinweis: In Deutschland sind die die Schilddrüsenhormone meist als ein Vielfaches von 25mcg erhältlich. Sollte dein Hormonbedarf dazwischen liegen, z.b. bei 137,5 können sie die Tabletten teilen. Bei der Dosierung von T4 gibt es die Möglichkeit abwechselnd eine 150 und eine 125 Tablette zu nehmen. Langfristig ergibt sich hier ebenso die Dosierung von 137,5.
Diese Angleichung der Dosis ist allerdings nur für T4 Medikamente möglich, aber nicht für T3.
T4 bleibt im Blut über Wochen wirksam, wehren T3 schon nach 19 Stunden zur Hälfte abgebaut werden. So solltest du diese in konstanter täglicher Dosis einnehmen.

Welche Probleme gibt es bei der Einstellung mit Schilddrüsenhormonen?

Die Einstellung der richtigen Dosis kann in einigen Fällen problematisch sein. Einige typische Probleme sind nachfolgend aufgeführt.

Anfängliche Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer vorher länger bestehenden Unterfunktion wird die Behandlung meist mit einer niedrigen Hormondosierung begonnen. Weil der Körper sich mitunter an die vorher niedrige Hormonmengen „gewöhnt“ hat, kann es bei jeder Dosissteigerung anfänglich zu Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion kommen. Diese sollten nach ein paar Tagen bis zu zwei Wochen jedoch wieder abklingen.
Die Dosis der Schilddrüsenhormone sollte dann langsam und in kleinen Schritten gesteigert werden. In einigen Fällen können bereits Steigerungen von 25mcg zu hoch sein. Dann sollte die Dosissteigerung in noch kleineren Schritten erfolgen, z.b. in 5mcg. Bei guter Verträglichkeit kann jedoch auch schneller gesteigert werden.

Anfängliche Symptome der Schilddrüsenunterfunktion

In seltenen Fällen kann es mit Beginn der Hormoneinnahme zu einer Verstärkung der Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion kommen. Mit ansteigender Hormondosis und allmählichen Erreichen der notwendigen Hormersatzdosis verschwinden die Symptome.

Verzögert einsetzende Unterfunktionssymptome

Viele Betroffene berichten, dass sich nach Beginn der Hormontherapie die Symptome zunächst besserten, um dann nach einigen Wochen erneut aufzutreten. Wenn sich bei dir nach einer Steigerung und vorübergehenden Besserung erneut Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Gewichtszunahme und andere Symptome der Unterfunktion einstellt, ist die Dosis noch nicht ausreichend. Die Dosis soll dann in weiteren kleinen Schritten gesteigert werden, bis du dich wohl fühlst. Schnelles Steigern ist nicht sinnvoll, da dein Körper einige Zeit braucht, um sich an die höhere Hormondosis zu gewöhnen.  Warte mit einer Steigerung mindestens zwei Wochen, besser vier bis sechs Wochen.

Was ist die richtige Hormondosis?

Du hast die richtige Hormoneinstellung gefunden, wenn keine Unter- oder Überfunktionssymptome mehr auftreten. Es ist wichtig, dass du dir für die Hormoneinstellung ausreichend Zeit nimmst. Es braucht nicht selten ein bis drei Monate, bis sich dein Körper an eine neue Dosierung gewöhnt hat. Bitte habe Geduld. Eine rasche Einstellung innerhalb weniger Tage kann nicht gelingen.

Was mache ich bei einer Umwandlungsstörung T4 zu T3?

Bei einigen Erkrankten kann die Umwandlung von T4 on das wirksame Hormon T3 behindert sein. Hinweis für so eine Umwandlungsstörung kann ein zu niedriges fT3 sein. Hierbei muss der fT3-Wert nicht immer unterhalb der Normwerte liegen. Auch  ein relativ niedriges, aber noch in der Norm liegendes fT3 bei relativ hohem, aber noch normalem fT4 kann ein Hinweis auf eine Umwandlungsstörung sein. Gelegentlich spiegelt sich die im Gewebe bestehende Umwandlungsstörung allerdings nicht in den Blutwerten wieder.

Symptome, die auf eine Umwandlungsstörung hinweisen könnten, sind Konzentrationsschwierigkeiten, depressive Verstimmung, Müdigkeit, Muskelschmerzen und eine übermäßige Gewichtszunahme, trotz normaler Hormonspiegel in den Blutanalysen.  Auch durch eine Dosissteigerung von T4 ist in diesen Fällen oft keine Besserung zu erzielen.

Was sind mögliche Ursachen für eine Umwandlungsstörung?

Ein Faktor ist hohes Cortisol bzw. Stress verschiedener Ursachen. Bekannt ist, dass die Umwandlung von T4 in T3 durch verschiedene, den Körper belastende Stressfaktoren wie Unfälle, Operationen, schwere Krankheiten oder Crash-Diäten gehemmt wird. Als Ursache dafür gilt die Beobachtung, dass Stress die Nebennieren zu einer vermehrten Cortisolproduktion anregt. Bei Stressbelastungen wird nämlich T4 in reverses T3 anstatt aktives T3 umgewandelt. Doch rT3 ist inaktiv, wenn auch mit fT3 verwandt. Es handelt sich jedoch um eine Art „Blindgänger“, der Platz wegnimmt.

Die Enzyme der Umwandlung brauchen zum Funktionieren ausreichend Selen, Eisen und Zink, so dass zunächst ein Mangel daran behoben werden sollte. Auch ein Magnesiummangel kann die Umwandlung behindern. Zusätzlich kann durch den Wegfall der direkten Eigenproduktion von aktivem T3 (ca. 20%) in der Schilddrüse ein Mangel entstehen. Sollte durch die autoimmune Zerstörung die Schilddrüse selbst kein T3 mehr produzieren, ist nicht geklärt ob dies durch eine verstärkte Ausschüttung von T4 und Umwandlung im Körper ausgeglichen wird.

Welche Möglichkeiten bestehen die Umwandlungsstörung zu behandeln?

 L-Thyroxin und Selen

Zur Behandlung einer Umwandlungsstörung sollte zunächst ein Versuch mit L-Thyroxin und 200mg Selen unternommen werden. Die Umwandlung v on T4 zu T3 kann nur gelingen, wenn im Körper ausreichend Selen vorhanden ist. Deutschland gilt als Selenmangelgebiet. Insbesondere Veganer und Vegetarier können einen Selenmangel entwickeln. Vielfach spüren Betroffene unter Zufuhr von Selen 200mg täglich eine deutliche Besserung der Symptome.

Zusätzlich sollten wie erwähnt auch die anderen Speicher aufgefüllt werden: Ferritin, Zink, Vitamin D, Vitamin B12 und Magnesium.

Hormonersatz durch ein Kombinationspräparat T3/T4

Wenn dauerhaft die Symptome einer Unterfunktion bestehen bleiben und auch durch die kombinierte Einnahme T4 mit Selen keine Besserung zu erzielen ist, kann der Einsatz eines Kombinationspräparates T3/T4 sinnvoll sein. Die Konzentrationsfähigkeit kann bei zusätzlicher T3-Einnahme zunehmen. Die von vielen beklagte Müdigkeit und die unverhältnismäßige Gewichtszunahme können sich unter zusätzlicher T3-Gabe zurückbilden und auch die depressive Verstimmung und Muskelschmerzen können verschwinden. Als Anhaltspunkt für die Dosierung von T3 kann gelten, dass die normale Schilddrüse T4 und T3 im Verhältnis von etwa 10:1 ausschüttet. Einige Hashimoto-Betroffene kommen bei Einname von T3/T4 Präparaten jedoch besser mit einem Verhältnis von 10:2 zurecht.

Auch bei Einname von zusätzlichem T3 empfiehlt es sich, langsam mit einer kleinen Dosis zu beginnen (5-10mcg). Eine zu hohe Dosis führt wegen möglicher Überfunktionssymptome fast immer zum Abbruch der Einnahme von T3/T4.

Die bisher eingenommene T4 Dosis muss bei einem Wechsel auf T3/T4 meist um 25mcg reduziert werden.

Zu Beginn der Einnahme können einige Tage Kopfschmerzen, vermehrtes Schwitzen und Herzklopfen auftreten. Diese Symptome einer Überfunktion sollten aber nach zwei bis drei Wochen verschwunden sein, wenn sich dein Körper an das zusätzliche T3 gewöhnt hat.

Reduzierung von Stress und Überprüfung der Nebennieren

Durch eine Änderung der Lebensweise und eine bewusste Entschleunigung werden die Nebennieren entlastet und weniger Cortisol ausgeschüttet. Dadurch wird wieder anstelle des rT3 mehr freies, aktives T3 erzeugt. Wichtig ist in jedem Fall zu Überprüfen ob die Nebennieren noch ordnungsgemäß arbeiten.

Muss ich Schilddrüsenhormone „lebenslänglich“ einnehmen?

Schilddrüsenhormone sind ein sehr effektives Hilfsmittel, die eingeschränkte Schilddrüsenfunktion zu unterstützen, während wir uns zusätzlich um die Beseitigung der Auslöser kümmern, die zur Autoimmunerkrankung geführt haben.

Trotz der Spontanheilungsquote von 20 Prozent sagen die meisten Ärzte ihren Patienten, dass die Schilddrüsenhormone lebenslang erforderlich sind.

Böse Zungen behaupten, dass es einfacher und auch billiger ist, den Betroffenen lebenslang mit Medikamenten zu füttern anstatt tiefergehende Untersuchungen zu veranlassen, die ermöglichen die Medikation zu reduzieren.

Veränderungen der Lebensweise können auch zu einem Rückgang des Autoimmunprozesses beitragen und so zu einer geringeren Schilddrüsenmedikation führen und weitere Erkrankungen verhindern. Du kannst dich wieder wohlfühlen!

Ich verstehe, wenn du dich ganz generell gegen die Einnahme von Hormonen sträubst. Aber ich bitte dich, dies als ein Instrument in deinem „Werkzeugkasten“ gegen die Hashimoto Thyreoiditis zu betrachten. Wir benutzen die Schilddrüsenhormone solange, bis wir die anderen Baustellen beseitigt haben. Betrachte die Medikamenteneinnahme nicht als lebenslänglich. In den Fällen, wenn die Krankheit früh entdeckt wird und rechtzeitig die „Löcher“ gestopft werden,  die für die autoimmune Zerstörung der Schilddrüse mitverantwortlich sind, können die Medikamente wieder abgesetzt werden. Ist aber dein TSH-Wert dauerhaft erhöht, kann sich dies negativ auf die Heilung, ihr Wohlbefinden und den ganzen Körper auswirken. So profitierst du auf jeden Fall bei einem erhöhten TSH und/oder Symptomen einer Schildrüsenunterfunktion von der richtig dosierten Einnahme von Schilddrüsenhormonen.

Wie kann ich die Medikamente absetzen?

Wer bereits Schilddrüsenhormone einnimmt, darf sie niemals abrupt absetzen, denn das kann zu gravierenden Schilddrüsenunterfunktions-Symptomen sowie einem raschen TSH-Anstieg und einer weiteren Zerstörung der Schilddrüse führen. Ein allmähliches Ausschleichen ist notwendig und sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

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