Hast du einen „Hashimoto-Ausraster“? 10 Wege den Reset-Knopf zu drücken

Aug 17, 2015

So viele Betroffene schreiben über Angst und Panikattacken, aber die meisten Ärzte haben noch nie darüber nachgedacht, einen genaueren Blick auf Schilddrüse, Nebenniere, und Darmgesundheit zu werfen. Das ist wirklich schockierend. Jen Wittman, Gründerin der Thyroid Loving Care, teilt ihre persönlichen Erfahrungen zusammen mit 10 Tipps, um Stress, Angst und Panik zu lindern.

„Ich erinnere mich wie ich eines morgens im Bett lag, und am liebsten aus meiner Haut gekrochen wäre. Ich starrte an die Decke und Wellen der Panik überrollten mich … aber ich war mir nicht sicher, warum. Bevor ich an Hashimoto erkrankt bin, konnte ich mit jeder Art Stress umgehen…wirklich! Welche Probleme sich mir auch immer in meinen Weg stellten, ich konnte diese wie Wonder Woman mit ihrem magischen Armbänder lösen. Stress war also kein Problem. Ich hatte sogar das Gefühl, an meinen Problemen zu wachsen. Dann bekam ich mein Baby. Danach änderte sich alles. Meine Stimmungsschwankung war wie ein Tsunami, der auf die Küste trifft. Zuerst sitzt du am Strand, genießt das friedliche Meer und im nächsten Moment zerstört eine Flutwelle der Wut, Trauer, Panik alles in seinem Weg. Ich dachte, das seien nur die Hormone und der intensive Schlafentzug der ersten Wochen nach der Geburt. Aber schließlich habe ich gelernt, dass der Grund hierfür meine Schilddrüse ist, die völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Warum habe ich so viel mehr Angst, seitdem ich an Hashimoto erkrankt bin?

Diese Frage hat eine knifflige Antwort. Wie wir heute wissen, sind die Nebennieren, Schilddrüse und Ihr Darm untrennbar miteinander verbunden. Die Nebennieren sind Teil des sympathischen Nervensystems und produzieren unter anderem die Hormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone sind wichtig, da sie die Stress-Reaktion regulieren und unsere Fähigkeit darstellen, mit Stress umzugehen. Das Problem ist, dass die Nebennieren am stärksten negativ betroffen sind, wenn wir gestresst sind. So ist es ein Henne-Ei-Szenario, ob eine Fehlfunktion der Schilddrüse Einfluss auf die Nebennieren hat oder ob deine Nebennieren überlastet sind und somit Einfluss auf die Schilddrüse haben.

Was wir wissen ist, dass Stress die Nebennieren stark beeinflusst, und das hat eine direkte Einwirkung auf die Gesundheit der Schilddrüse. Wenn es um deine Schilddrüse geht, hat die Art und Weise, in der unsere Nebennieren reagieren, weitreichende Konsequenzen.

Was beeinflusst die Nebennieren?

Nun, es ist mehr als du denkst. Neben den offensichtlichen täglichen Stressfaktoren in unserem Leben, die dazu führen, dass die Nebennieren mehr Stresshormone pumpen, gibt es auch noch weitere Einflussfaktoren. Hierzu zählen ein nicht geregelter Blutzuckerspiegel,  das Leaky Gut- Syndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten (wie Gluten oder Laktose), Toxine und Infektionen. All diese Faktoren können deine Nebennieren beeinflussen, weshalb es wichtig ist, einen ganzheitlichen Ansatz zur Heilung in Betracht zu ziehen. Die einzelnen Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und so hilft eine reine Stressreduzierung zwar nur teilweise, ist aber Voraussetzung zur Besserung der Hashimoto-Symptome.

Warum ist die Reduzierung von Stress wichtig?

Nebennieren-Stress führt zu einer Reihe von Symptomen: wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen, Heißhunger auf Zucker und Koffein, Reizbarkeit und Schwindel. Bei der Ausschüttung der Stresshromonen wird die Umwandlung von T4 zu T3 reduziert, Immunbarrieren verursachen hormonelle Störungen und so wird die Autoimmunantwort verstärkt und stört die Wechselwirkungen zwischen dem Hypothalamus, Hypophyse und Nebennieren. Stress wirkt im Körper vielseitig auf Funktionen wie Temperatur, Verdauung, Immunsystem, Stimmung, Libido und Energie.

Welche Rolle spielt Stress nun in deinen Angst- und Panikattacken?

Nebennieren-Stress füttert dein sympathische Nervensystem und mobilisiert deine Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Es kann bei so einfachen Dingen auftreten wie im Staustehen, in der Schlange stehen, oder während dem Abschließen einer allgemeinen Aufgabe und plötzlich entsteht Stress, d.h. der Survival-Modus setzt ein und zeigt sich als den Angstanfall. Wenn Stress auftritt, wird im Körper das Signal zu deinem sympathischen Nervensystem gesendet, sich in „höchste Alarmbereitschaft“zu begeben. Stress erzeugt neuen Stress – das ist, warum es nicht ausreicht, in schwierigen Situationen deine Emotionen zu unterdrücken und sich wie ein „normaler“ Mensch zu verhalten. Die Nebennieren haben das Flucht-Gefahr-Signal bereits an den Körper gesendet und bringt somit dein Gesamtsystem aus dem Gleichgewicht.

10 Tipps zur Linderung von Stress, Angst und Panik

1. Konzentriere dich auf deine Atmung

Dir kommt dieser Tipp bekannt vor?  Ja, er ist nicht neu, aber einfach sehr effektiv. Falls du wieder einmal merkst, wie du emotional aus dem Gleichgewicht gerätst, versuche dich zu bremsen und dich auf die Atmung zu konzentrieren. Versuche dir einen Moment Zeit nehmen, um zu atmen. Panikattacken können durch Hyperventilation begleitet werden. Ich bemerkte häufig zuerst die beschleunigte Atmung und jetzt weiß ich, dass dies Anzeichen für eine sich nähernde Panikattacke ist. Vor geraumer Zeit erlebte ich, wie ich zu hyperventilieren begann. So stark, wie ich es noch nie zuvor getan habe und schon bald fing ich an zu schreien, so dass mein Mann einen Krankenwagen gerufen hat. Ich dachte, ich würde sterben … wirklich. Ich bin kein Hypochonder und war bisher selten im Krankenhaus. Es war so erschreckend hautnah zu erleben, nicht mehr zu wissen, ob dies mein letzter Atemzug sei. Als ich anfing, meine Hashimoto positiv zu beeinflussen, half mir meist im Augenblick, in dem ich Angst oder Stress fühlte, ruhig zu atmen und mich darauf zu konzentrieren.

Mein Tipp: Ich hole tief Luft und zähle bis 5, halte den Atem 3 Sekunden an und atme anschließend so lange aus, wie ich kann. Das wiederhole ich. Tiefes Atmen ändert die Dinge auf physiologischer Ebene. Wenn du deine Atmung so nicht verlangsamen kannst, ist es Zeit, den guten alten Papierbeutel rauszuholen und so deine Atmung zu verlangsamen. Halte diesen über den Mund und beginne schrittweise den Atem zu verlangsamen, so dass du mit tiefem Atmen beginnen kannst. Mach dies für einige Minuten, bis du feststellst, dass du dich beruhigst und wieder auf die Erde zurückkommst.

2. Unterstütze deine Nebennieren mit den richtigen Lebensmitteln

Es gibt viele Dinge, die du tun kannst, um deine Nebennieren durch deine Ernährung positiv zu beeinflussen:

Stabilisiere deinen Blutzucker:

  • esse stärkehaltige Gemüse anstelle von Getreide und klebrigen Lebensmitteln wie Nudeln und Brot
  • esse einen Löffel Kokosöl oder eine Handvoll Nüsse, um den Blutzuckerspiegel zu halten
  • minimiere deine Aufnahme von Zucker, Obst und stärkehaltigem Gemüse, zuckrigen Limonaden, verarbeiteten Snacks, High-Fructose-Sirup, raffiniertem Zucker und Zuckeraustauschstoffe

Vermeide Stimulanzien wie Kaffee und Schokolade  (ich weiß, das ist kein Spaß, aber ich verspreche, es wird dir helfen!)

Vermeide Alkohol (wieder, nicht ein super Spaß Vorschlag, aber Alkohol kann tatsächlich eine zusätzliche Belastung für die Nebennieren darstellen und Einfluss auf Ihre Stimmung  haben und zwar nicht, wie du dir das auf die Party- Art und Weise vorstellst.)

Stell Eier, eingeweichte Nüsse, Samen, dunkles Blattgemüse und Innereien auf deinen Speiseplan (wenn du diese Lebensmittel verträgst).

Hinweis – dunkles Blattgemüse wie Spinat, Grünkohl, Mangold, und Kohl sind ok, aber sie enthalten goitrogene Eigenschaften vor allem, wenn sie roh verzehrt werden. Kochen und Dämpfen reduziert die goitrogene Wirkung, die zu Wechselwirkung mit den Schilddrüsenhormonen führen kann.

 3. Muskelentspannung

Eine wunderbare Technik zur Lockerung – selbst während eines Hochbelastungszeit oder Panikattacke- ist die progressive Muskelentspannung. Dies hilft nicht nur dich zu konzentrieren, so dass du deine Atmung verlangsamen kannst, es hilft auch, deine Muskeln zu entspannen. Hierzu gehst du von Kopf bis Fuß durch deinen Körper. Beginne mit den Muskeln in deinem Gesicht, dann gehe zu deinen Armen, Händen, Bauch, Po, Oberschenkel, Waden und Füßen über. Spanne hierzu jede Muskelgruppe für 10 Sekunden an und lasse sie dann wieder los.

4. Lächeln, Lachen und Spaß

Wenn du zu Hause bist und merkst wie du ausflippst, empfehle ich dir deine lustigsten Lieblingsfilme anzuschauen. Dies lenkt dich entsprechend ab und hilft dir dich zu beruhigen. Das Lachen, das Glückshormone freisetzt, macht deinen Kopf frei und bringt dich wieder zum Lächeln. Wenn das nicht funktioniert, ruf einen Freund oder Kollegen, von dem du weißt, dass er dich zum Lachen bringen kann.

5. Probier es mit Basilikum

„Heiliges Basilikum“ oder Tulsi, wie es auch genannt wird, ist eine Pflanze in der ayurvedischen Medizin, um Stress durch die Unterstützung der Nebennieren zu lindern. Du kannst Tinkturen aus Basilikum in Naturkostläden, homöopathische Apotheken und einigen Lebensmittelgeschäften finden. Eine solche Basilikumtinktur ist ein starkes Kraut, so dass du zuerst ein paar Tropfen in einem kleinen Glas Wasser versuchen solltest, um zu sehen, wie du es verträgst. Ich benutze es für meine stressigen Phasen und als Schlafmittel, wenn notwendig.

6. Schreib es alles raus

Eines der besten Dinge, die ich getan habe, um die Krankheit zu verbessern, ist zu lernen, wie man schreibt. Mein Lieblings-Osteopath hatte mir vorgeschlagen, Tagebuch zu schreiben. Ich mochte nie zu schreiben und war nicht besonders gut darin. Ich hab ihm mein beste hochgezogene Augenbraue gegeben mit verwirrtem Blick und sagte ihm, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Und doch habe ich einfach angefangen und dies hat mir unglaublich geholfen. Wenn ich nun die Angst spüre, fange ich an zu schreiben. Du kannst dir eine beliebiges Stück Papier nehmen, oder trage ein kleines „Panik-Tagebuch“ bei dir oder benutze dein Tagebuch. Bestätige deine Angst und schreibe, wie du dich fühlst, wovor du Angst hast und was du glaubst, der Auslöser hierfür sein könnte. Nach einiger Zeit und mit etwas Abstand lese ich dann das Aufgeschriebene durch und lerne so viel über mich. Schnapp dir also deinen Stift – du wirst mir dafür dankbar sein.

7. Drück die „Paniktaste“ auf deiner Stereoanlage

Dreh deine Musik so richtig auf – es ist Zeit zu singen und zu tanzen. Alles ist erlaubt, worauf du Lust hast – setze entweder auf deine Lieblings-Entspannungsmusik, oder auf diese verrückten Zappel-Songs, bei denen du die Füße einfach nicht still halten kannst. So oder so, wirst du dir selbst einen großen Gefallen tun. Musik hat immer und immer wieder gezeigt, Stimmungen positiv zu beeinflussen und Stress abzubauen. 

8. Verwende Aromatherapie

Düfte können eine physiologische Wirkung auf unsere Stimmung haben. Zünde eine Kerze mit beruhigenden ätherischen Ölen wie Lavendel oder Kamille oder würzige und erdige ätherischen Öle an. Diese kann unseren Körper (Verlangsamung der Herzfrequenz, Blutdrucksenkung und Entspannung der Muskulatur) beruhigen. Du kannst einige Tropfen Lavendel (oder andere ätherische Ölen) mit Wasser mischen und es auf ein Taschentuch sprühen. Mach es dir gemütlich und lege das Taschentuch über die Augen. Nun konzentriere dich auf deinen Atem. Es ist eine gewinnbringende Kombination.

9. Beruhige dich mit Magnesium

Das ist mein Panikattacke Heilmittel. Gieße 2 Tassen Bittersalz in ein warmes Bad und bade darin für 15 Minuten. Dies wird den Magnesiumspiegel im Körper zu erhöhen und hat so eine beruhigende Wirkung auf deinen Geist. Außerdem entspannt es das Nervensystem, senkt den Cortisol-Spiegel und verringert die emotionale Aufregung. Es funktioniert immer! Ein besonderer Tipp: Füge noch ein paar Tropfen Lavendelöl dem Badewasser zu.

 10. Schick deinen Kopf in Urlaub!

Schöne bewusste Bilder können dir helfen, die Panikattake zu überstehen. Denke hierzu nur an einen Ort oder eine Situation, in der du dich rundum entspannt fühlst. Schließe die Augen und stell dir diesen Ort im Detail vor. Wie sieht er aus? Wer ist bei dir? Was sind Sehenswürdigkeiten, Geräusche und Gerüche um dich herum? Male ein lebendiges Bild im Kopf, und konzentriere dich darauf. Wenn du feststellst, wie die Atmung sich beruhigt und dein Körper sich entspannt, kannst du deine Augen öffnen. Ich nutze diese Technik mit großen Erfolg nicht nur bei Panikattacken, sondern immer, wenn ich mich unwohl fühle. Zum Beispiel musste ich in diesem Jahr ein MRT machen, und ich hab es nicht so mit engen Räumen. So schloss ich die Augen und dachte an meinen glücklichen Ort, als die MRT begann:  „Ich gehe zu Fuß entlang der gepflasterten Straßen von Italien; nachdem ich in meiner Lieblingsfrühstücks-Bar ein Croissant und Cappuccino genossen habe (hey, das ist mein Traum!), höre ich einen Mann an einer Ecke Akkordeon spielen. Ich bleibe stehen, umgeben von der markanten Architektur der Renaissance. Ein Lächeln schleicht sich über mein Gesicht. Die Sonne scheint, und …“ Oh warte, fast wäre ich schon wieder weggeträumt.. Jetzt bist du dran. Stelle dir deine Lieblingsplätze oder eine glückliche Szene, die du für deine schwierigen Lebenssituationen bereit hälst.

Stress reduzieren, ohne dich zu stressen!


So, jetzt weißt du, warum es wichtig ist Stress und Angst zu reduzieren. Und dank Jen Wittmann hast du nun zahlreiche Werkzeuge, die dir helfen rechtzeitig gegenzusteuern.

Allerdings solltest du dich hier nicht stressen. Ich habe anfangs mir ein absolutes Stressverbot verordnet: auf Arbeit und im Leben habe ich alle schwierigen Situationen vermieden. Nur erstens funktioniert das Leben so nun mal nicht und zweitens ist mir so auch jede Menge Spaß entgangen. Stress kommt und geht, wichtig ist es, Maß zu halten.
Sei bewusst und gehe achtsam mit dir und deinem Körper um. Versuche rechtzeitig zu merken, wenn der Stress oder die Panik in deinen Körper kriecht und dem entgegen zu wirken. 

Carina Schnitzenbaumer

About the Author

Carina Schnitzenbaumer

Ich bin seit über 10 Jahren selbst von Hashimoto Thyreoiditis betroffen und habe viel erlebt: unwissende Ärzte, unzureichende Diagnosen, wenig verständnisvolle Bekannte und eine Verharmlosung meiner Symptome. In den letzten Jahren habe ich vor allem mich und meinen Körper sowie meine Bedürfnisse kennengelernt. So habe ich es geschafft in nur zwei Jahren meine Symptome in den Griff zu bekommen und wieder gesund zu werden. Durch eine Anpassung meiner Ernährung, meiner inneren Einstellung sowie die richtige Einstellung meiner Hormone, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente habe ich meine Lebensenergie wieder zurück gewonnen. Diese Erfahrung möchte ich gerne mit euch teilen. Ich freue mich über regen Austausch und euer Feedback.

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Rosela

Danke <3

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